BEING THE RICARDOS (Aaron Sorkin – 2021)
Darsteller: Nicole Kidman, Javier Bardem, J.K. Simmons, Nina Arianda

Im direkten Vergleich zu seinen bisherigen Regiearbeiten Molly’s Game und The Trial of the Chicago 7 fällt Being the Ricardos etwas kleiner – sagen wir besser: intimer – aus, aber trotzdem sitzen die Dialoge von Aaron Sorkin wie gewohnt und vor allem an den dezent-trockenen Humorspitzen kann man seine wahre Freude haben. Wäre man mit dem reinen Fokus auf die über fünf Tage laufende Produktion einer Folge von I Love Lucy die nur auf dem Set sowie deren Büros und Umkleiden spielen besser gelaufen wie es Sorkin beim Drehbuch zu Steve Jobs selbst vormachte? Wahrscheinlich. Aber die kleinen Sprünge in die Vergangenheit von Lucille Ball und Desi Arnaz reißen einen auch nicht raus, sondern unterfüttern das ganze aktuelle Kriesenherd rund um eine schwierige Folge, diverse private Probleme für das Ehepaar wie eine Schwangerschaft, Gerüchte der Untreue und dem Vorwurf an Ball des Komitee für unamerikanische Umtriebe eine Kommunistin zu sein. Nicole Kidman war vielleicht seit Jahren als Hauptdarstellerin nicht mehr so stark wie hier, Javier Bardem als Desi Arnaz ein kongenialer Partner und auch an dem Nebencast rund um J.K. Simmons, Nina Arianda, Tony Hale und Alia Shawkat kann man seine Freude haben. Der Score von Daniel Pemberton passt sich perfekt den verschiedenen dramatischen und leichten Momenten an und Jeff Cronenweth an der Kamera – hier scheint Sorkin im Gegensatz zur Musik nach Charlotte Bruus Christensen und Phedon Papamichael weniger auf Kontinalität zu setzen – liefert perfekte Bilder – sei es nun im Studio, im Haus von Ball und Arnaz oder bei den tollen Gesangseinlagen von Bardem in einem Club. So bleibt Being the Ricardos die dritte sehr gute Regiearbeit von Sorkin in Folge, ist vielleicht kein Steve Jobs, aber alleine die entfesselte Nicole Kidman und das Finale können einen durchaus mitreißen – und vielleicht braucht man manchmal auch nicht viel mehr.