VOM WINDE VERWEHT (Victor Fleming – 1939)
Darsteller: Vivien Leigh, Clark Gable, Olivia de Havilland, Leslie Howard

Den Status als Klassiker kann man Vom Winde verweht nur schwer absprechen, auch wenn er ihm am Ende seiner vier Stunden nicht wirklich gerecht wird: Das Melodram wird dick aufgetragen, den Rassismus kann und sollte man kritisieren und die Glorifizierung der „Antebellum“-Südstaaten stößt mehr als bitter auf. Die Figur der Scarlett O’Hara ist vor allem zu Beginn komplet unausstechlich und bis zum Ende fast verachtenswert manipulativ, wird aber von Vivien Leigh trotz allem stark gespielt – vor allem in den Szenen des brennenden Atlanta, später auf der Baumwollplantage Tara sowie während ihrer zweiten Ehe und der Arbeit in der Sägerei – und ihr seltsames Händchen für Ehen zieht sich wie ein Pferdefuß durch den kompletten Film. Clark Gable als Rhett Butler verschwindet schon mal für recht lange Zeit aus der Handlung, aber wenn er mal zu sehen ist gehört ihm fast die komplette Szene und die mit ihm und seiner Tochter gehören zu den stärksten von Gable. Von den Nebendarstellern ist fast erwartbar Olivia de Havilland am stärksten die deutlich vielschichtiger ist als Scarlett und stellenweise sogar richtig düster erscheint, Hattie McDaniel und Butterfly McQueen machen das beste aus ihren Figuren wobei McQueen einem schon fast leid tun kann und Leslie Howard als der von Scarlett über Jahre mehr als unangenehm angehimmelten Ashley Wilkes wird in der allgemeinen Besprechung fast ein wenig unter Wert verkauft und überstrahlt den restlichen Cast an vor allem am Anfang komplett vergessenswerten männlichen Nebenfiguren. Die größte Stärke liegt dann auch eher an der fantastischen Musik von Max Steiner, die Kostüme von Walter Plunkett, wie Victor Fleming und sein Kameramann Ernest Haller immer wieder Licht, Schatten und Farben einzusetzen vermag und natürlich der Moment wenn Atlanta in Flammen steht und man vom von verwundeten Soldaten übersäten Bahnhofseinfahrt immer mehr sieht. Nicht so großartig wie erwartet, für seine Laufzeit nicht fesselnd genug und für gerechtfertigte Kritik angreifbar wie ein offenes Scheunentor kann man Vom Winde verweht seine Faszination aber auch nicht komplett absprechen – nur so ganz verstehen halt auch nicht.