Gestern Abend habe ich zum ersten Mal Beim Sterben ist jeder der Erste von John Boorman mit Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty und Ronny Cox gesehen und war von Anfang bis Ende begeistert: Spannend und ohne ein Gramm zu Fett zu viel, die Szene mit den beiden Rednecks, Voight und Beatty unfassbar fies und der Schnitt und die Kameraarbeit meisterhaft.

Bei den Golden Globes 1973 gab es auch vollkommen zurecht Nominierungen für den besten Film (Drama), die Regie von John Boorman, Jon Voight als bester Hauptdarsteller (Drama), James Dickey für das beste Drehbuch und für Dueling Banjos als besten Song. Am Ende ging Beim Sterben ist jeder der Erste komplett leer aus und mit Ausnahme der Song-Kategorie verlor man immer gegen Der Pate, während Cabaret die Musical/Komödie-Kategorie dominierte.

Bei der nachfolgenden Oscarverleihung konnte man sich noch drei Nominierungen sichern und wiederholte die Chancen als besten Film und Boorman als Regisseur sowie zusätzlich den besten Schnitt von Tom Priestley. Mit jeweils 10 Nominierungen gingen Der Pate und Cabaret als Favoriten in den Abend und während das Werk von Francis Ford Coppola als bester Film, Marlon Brando als bester Hauptdarsteller und Coppola selber gemeinsam mit Mario Puzo für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet wurde, pflügte Cabaret vor allem durch die Kategorien Ton, Szenenbild, Schnitt, die Filmmusik von Ralph Burns, die Kameraarbeit von Geoffrey Unsworth, sowie die Regie von Bob Fosse, Joel Grey als bester Nebendarsteller und Liza Minnelli als beste Hauptdarstellerin. Der große Verlierer des Abends war Die Höllenfahrt der Poseidon von Ronald Neame der mit acht Nominierungen ins Rennen ging und am Ende nur mit dem Oscar für den besten Song (The Morning After) ausgezeichnet wurde.

Ich liebe Der Pate und Beim Sterben ist jeder der Erste hatte einfach Pech gehabt in diesem Jahr gegen ihn antreten zu müssen. Okay: Selbst im Jahr danach hätte man mit Der Clou und Der Exorzist zwei starke Konkurrenten gehabt, aber 1972 hätte man mit Brennpunkt Brooklyn einen machbaren Gegenspieler gehabt, auch wenn Die letzte Vorstellung in Lauerstellung geblieben wäre. Aber im Jahr 1973 waren Der Pate und Cabaret schlicht zu übermächtig.

Dabei ist mein Verhältnis zu Cabaret kein besonders gutes: Der Film hat seine optischen Werte, aber sonst wenig interessantes zu bieten und strengt unglaublich an – ich finde ihn sogar offen gesagt recht langweilig. Auch den Oscar für Joel Grey halte ich in Anbetracht der direkten Konkurrenz durch Al Pacino, James Caan und Robert Duvall für einen schlechten Witz. Al Pacino nahm sogar aus Protest an der Verleihung nicht teil, weil er als bester Nebendarsteller und nicht als bester Hauptdarsteller neben Marlon Brando nominiert war und eigentlich hätte es mit ihm nur einen Sieger in der Kategorie geben dürfen – auch wenn mein Herz immer für Duvall und seine brillante Darstellung von Tom Hagen schlagen wird.

Bei einer Nominierung von Pacino als besten Hauptdarsteller, wäre vielleicht ein Jon Voight nachgerutscht, denn in der Hauptdarsteller-Kategorie war eh alles ein ziemliches hauen und stechen: Marlon Brando war gesichert, ebenso Michael Caine und Laurence Oliver für Mord mit kleinen Fehlern. Peter O’Toole erhielt bereits eine Golden Globe-Nominierung als bester Hauptdarsteller (Musical/Komödie) für The Ruling Class und Paul Winfield war vielleicht der größte Nutznießer der Film-, Hauptdarstelerin- (Cicely Tyson) und adaptiertes Drehbuch-Nominierung für Das Jahr ohne Vater von Martin Ritt. Golden Globe-Gewinner Jack Lemmon erhielt für Avanti, Avanti ja nicht mal eine Nominierung – ein Schicksal dass viele Gewinner der Kategorie noch ereilen sollte – und auch der Film von Billy Wilder ging trotz sechs Nominierungen bei den Golden Globes bei den Oscar-Nominierungen komplett leer aus.

Hätte man Beim Sterben ist jeder der Erste ohne Der Pate und Cabaret im Rennen mit Oscars ausgezeichnet? Zumindest den Oscar für den besten Schnitt hätte man wohl sicher gehabt und auch John Boorman hätte die besten Chancen auf den Oscar für die beste Regie und den besten Film gehabt, während Mord mit kleinen Fehlern von Joseph L. Mankiewicz und wahrscheinlich auch Avanti, Avanti ihm dicht im Nacken gesessen hätten.