Neben Miss Jane Marple ist der belgische Detektiv Hercule Poirot die bekannteste Romanfigur von Agatha Christie und wurden bis jetzt unter anderem von Albert Finney (Mord im Orient-Express, 1974), Peter Ustinov (Tod auf dem Nil, 1978), David Suchet (Agatha Christie’s Poirot, 1998-2013) und Alfred Molina (Mord im Orient-Express, 2001) verkörpert. 43 Jahre nach Finney schlüpft dieses Mal Kenneth Branagh in einer Spielfilmadaption des Buches in die Rolle von Hercule Poirot, führt gleichzeitig auch Regie und kehrt damit 10 Jahre nach 1 Mord für 2 zum intensiven Kammerspiel zurück. Dazu versammelt er wie schon Sidney Lumet 1974 wieder einen mehr als namhaften Cast um sich: Penélope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr., Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley, Tom Bateman und Olivia Colman.

Am Ende kommt Branaghs Version von Mord im Orient-Express zwar nicht an die von Lumet heran, weiß aber vor allem durch die Kameraarbeit von Haris Zambarloukos und einem erstklassigen Produktionsdesign zu überzeugen. Leider bremst sich der Film aber immer wieder selber aus und bricht das spannende Kammerspiel durch überflüssige Actionsequenzen ab die es in so einem Film einfach nicht gebraucht hätte. Auch die Schauspieler können mit Ausnahme von Willem Dafoe, Josh Gad, Johnny Depp, Tom Bateman und im Schlussakt Michelle Pfeiffer keine richtigen Akzente setzen oder bleiben besonders im Gedächtnis. Das Spiel von Branagh als Hercule Poirot hat aber auf jeden Fall etwas an sich und ist deutlich besser als die Verkörperung von Peter Ustinov.

Was den Film am Ende trotzdem zu einem guten Gesamteindruck verhilft – neben den optischen Werten – ist die eigentliche Auflösung des titelgebenden Mord im Orient-Express die deutlich stärker und emotionaler als in der 1974er Version ausfällt, woran vor allem Michelle Pfeiffer und Willem Dafoe ihren Anteil haben. Dafoe konnte schon vorher in den Szenen mit Branagh punkten, aber Pfeiffer blieb leider bis dahin etwas blass und erst ganz zum Schluss kann sie mit der ganzen angestauten Wut und Trauer ihrer Figur herausbrechen.

Fazit: Zum Schluss überwiegt doch der gute Eindruck über kleine Schönheitsfehler und man darf gespannt ob Kenneth Branagh aus diesen Fehlern für sein nächstes Abenteuer als Hercule Poirot – Tod auf dem Nil – lernen wird. Besser als die Version von John Guillermin zu sein dürfte eigentlich kein so großes Problem darstellen.

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