Mit Paddington lieferte Regisseur Paul King 2014 einen wunderschön warmherzigen Film mit einem super animierten Paddington – der in der deutschen Version genau so super von Elyas M’Barek gesprochen wird – ab, garniert mit einer Menge britischem Humor und in dem aber auch die menschlichen Darsteller wie Hugh Bonneville und Sally Hawkins mit ihren eigenen Macken und sympathischen Eigenarten punkten konnten. Kurz gesagt: Perfekte Wohlfühlunterhaltung für die ganze Familie. Einziger kleiner Makel war vielleicht die von Nicole Kidman dargestellte Gegenspielerin. Aber auf der anderen Seite: Warum sollte ein britischer Familienfilm mit einem Bären der einen roten Hut und einen dunkelblauen Dufflecoat trägt nicht den selben Makel wie Filme aus dem Hause Marvel haben?

Drei Jahre später scheint man diesen einzigen Kritikpunkt auf perfekter Weise gelöst zu haben und der Problemlöser hört auf den Namen Phoenix Buchanan und wird von einem spielfreudigen Hugh Grant verkörpert der sichtlich Spaß an der Rolle des Gegenspielers hat und diesen in die Jahre gekommenen Schauspieler – der jetzt Werbung für Hundefutter machen muss – auch ein bisschen als Spiegel seiner eigenen Karriere benutzt. Der Antrieb von Buchanan ist jetzt nicht komplett neu oder innovativ, aber wenn Grant bei seiner ersten Begegnung mit dem immer positiven Paddington von ihm ein bisschen vorgeführt wird, spricht schon die Mimik von Grant einfach Bände. Das Highlight aber ist ein in mehreren Dialekten geführtes Selbstgespräch mit Schaufensterpuppen: Bitte gibt diesem Mann viel mehr solcher Nebenrollen, denn schon in Cloud Atlas konnte er auf diese Weise überzeugen.

Die Geschichte um den Raub eines Aufklapp-Bilderbuch das Paddington gerne kaufen würde um es seiner Tante Lucy zum 100. Geburtstag zu schenken ist aber fast nur der Startpunkt zu dem absoluten Highlight des Films: Paddington wird beschuldigt eben dieses Bilderbuch geklaut zu haben und landet im Gefängnis. Was schnell zu einer peinlichen Nummer wie in Ich – Einfach unverbesserlich 3 hätte werden können, wird in Paddington 2 zu den besten Wes Anderson-Momenten die nicht von Wes Anderson stammen. Angefangen von einer roten Socke in der Waschmaschine mit der Knastkleidung mit logischem Ergebnis und dem wie gewohnt wunderbar grantigen Brendan Gleeson als „Knuckles“ McGinty für den Paddington Bitterorangenmarmelade herstellt und auch so das Leben der Insassen ein ganzes Stück kulinarischer macht: Die ganze Zeit fühlt man sich an Grand Budapest Hotel erinnert. Nur mir der Extra-Note Bär.

Neben den beiden Neuzugängen Grant und Gleeson gibt es aber auch weitere unter anderem von Sanjeev Bhaskar, Ben Miller und Jessica Hynes dargestellten Bewohner der Straße in der die Browns wohnen. Diese gewinnen in kurzen aber sehr liebevollen Szenen so charmant an Profil, dass man es King und Drehbuchautor Simon Farnaby nachsieht dass der Fokus einfach nicht auf diese Figuren liegt, sie aber auch keine bloßen Randfiguren sind. Es sind Menschen die mit Paddington und seiner Familie leben und ihre eigenen Geschichten erleben. Da reichen kurze Momente besser aus um sie alle ins Herz zu schließen, als eine 10-minütige Sequenz.

Aber auch die aus dem ersten Film bekannten Familienmitglieder der Browns bekommen eine ganz eigene Highlight Szene spendiert: Bei Hugh Bonneville als Henry Brown ist es eine urkomische Rückbesinnung auf dessen wilden Jahre und bei Sally Hawkins als Mary Brown ist es eine unglaublich schön gefilmte Szene die offensichtlich an Shape of Water – Das Flüstern des Wassers angelehnt ist. Peter Capaldi kann in zwei Szenen dabei ebenso überzeugen wie – nicht anders von ihm zu erwarten – Jim Broadbent als der Antiquitätenhändler Samuel Gruber.

Fazit: Paul King bringt es mit seinem Cast fertig den im Grunde schon perfekten Vorgängern noch zu toppen: Paddington 2 ist süß wie Bitterorangenmarmelade und versprüht in seinen stärksten Momenten einen schönen Flair von Wes Anderson.