11 Jahre nach seinem ersten Oscar als bester Hauptdarsteller in Sergeant York gewann Gary Cooper für seine Verkörperung des Town Marshals Will Kane in Zwölf Uhr mittags seinen zweiten Oscar und stach Alec Guinness, Kirk Douglas und Marlon Brando aus. Daneben gewann das Werk von Fred Zinnemann noch für den besten Schnitt, die beste Filmmusik (Drama/Komödie) und für den besten Song. Beim besten Film musste man sich den heute fast in Vergessenheit geratenen Die größte Schau der Welt von Cecil B. DeMille geschlagen geben während Zinnemann gegen John Ford (Der Sieger) verlor. Darüber hinaus gilt Zwölf Uhr mittags als Klassiker des Western-Genres und wurde 1989 in die National Film Registry aufgenommen.

Am Ende und nach 66 Jahren ist Zwölf Uhr mittags vielleicht seinem Ruf als Klassiker ein wenig schuldig geblieben, ist aber mit seinem Ablauf in Echtzeit – denn es gibt keinen großen Zeitsprung in den knapp über 80 Minuten -, seinem packenden Shodwown – noch viel mehr aber dem Weg auf diesen zu – und dem Spiel von Gary Cooper, Grace Kelly, Lloyd Bridges und Katy Jurado ein ziemlich starker Film.

Es ist interessant zu sehen wie Fred Zinnemann 1952 ein noch immer mehr als aktuelles Gesellschaftsbild zeichnete in dem vielen Leuten das Rückgrat fehlt für andere Leute einzustehen und diese auf ihren Weg in eine scheinbar aussichtslose Situation zu begleiten oder sich lieber auf dem gemütlichen aktuellen Leben ausruhen: Mit Ausnahme des von William Newell verkörperten Jimmy – ein betrunkener Krüppel der Kane anfleht ihm helfen zu dürfen – und des 14-jährigen Johnny (Ralph Reed) möchte niemand Kane helfen und selbst der Hilfssheriff Herbert „Herb“ Baker (James Millican) zieht – als er merkt dass er am Ende der einzige Begleiter von Kane sein wird – sein Angebot zurück. Alle anderen Bewohner ziehen es lieber vor Hadleyville zu verlassen so dass diese in die Hände der Banditen fallen.

Auch das Frauenbild weiß zu überraschen: Während die Hotelbesitzerin Helen Ramirez (Katy Jurado) wegen ihrer mexikanischen Herrkunft nicht hoch angesehen war und sich trotzdem mit ihrem Hotel hocharbeitete und Hadleyville aus Angst vor ihrem ehemaligen Liebhaber Frank Miller verlässt aber auch ihre Hochachtung vor Kane bekundet und diesen als einzigen richtigen Mann in der Kleinstadt tituliert, spielt Grace Kelly die Quäkerin Amy Kane die mit ihrem gerade frisch angetrauten Ehemann Kane eigentlich ebenfalls die Stadt verlassen wollte um sich einem ruhigeren Leben zu widmen, auch in den Zug um zwölf Uhr mittags einsteigt, aber am Ende doch ihrem Mann im Kampf gegen die Bande von Frank Miller beisteht und gegen ihren religöse Überzeugung ein Mitglied der Bande erschießt und damit ihrem Mann das Leben rettet.

Fazit: Zwar nicht der erhoffte große Klassiker, aber ein starker Vertreter des Genres mit ebenso starken Darbietungen von Gary Cooper und Grace Kelly, einem tadellosen technischen Aufwand in Sachen Kamera, Schnitt und Regie sowie einem noch immer aktuellen Hinterfragen der Hilfsbereitschaft einer Gesellschaft in der Notsituation eines Einzelnen.

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