Die Ausgangslage schien vielversprechend: Mit Tomas Alfredson hatte man den Regisseur von So finster die Nacht und Dame und König, As, Spion, Michael Fassbender als Hauptdarsteller und Rebecca Ferguson, J.K. Simmons, Charlotte Gainsbourg und Toby Jones als weitere Verstärkung im Cast. Dazu die Kameraarbeit von Dion Beebe und einen Score von Marco Beltrami. In der Theorie hätte die Verfilmung von Schneemann – des siebten Buches der Harry Hole-Reihe – locker in einer Liga mit der Millennium-Trilogie und deren US-Remake mit halten können. Aber Theorie ist halt nur Theorie und oft sieht die Praxis ganz anders aus. Um es direkt zu sagen: Von allen aufgezählten Personen macht Marco Beltrami noch den besten Job.

Die ganze stimmige musikalische Untermalung und alle schön gefilmten Momente von Oslo und Bergen bringen nichts, wenn die eigentliche Geschichte so komplett zerfasert und wirr ist, wenn man Handlungselemente einführt aber nicht auflöst und am Ende eh irgendwie alles egal und nichtssagend ist. Aber vor allem ist Schneemann eines: Langweilig. Einfach nur komplett langweilig und ohne jede Spannung. Die bekannten Thriller aus Schweden haben immer eine gewisse Schwere und bedrückende Aura, bieten aber zumindest immer wieder spannende Momente: In diesem Fall versagt der Film aber vollständig. Es gibt keine Spannung, sondern nur Taschenspielertricks und ausgelutschte Momente die man schon in jedem anderen Thriller besser erzählt bekommen hat.

Michael Fassbender in seiner Rolle des Harry Hole ist vollständig demotiviert, Rebecca Ferguson zumindest in ihrer letzten Szene emotional am Zuschauer dran aber sonst auch eher auf unauffälliger Sparflamme und J.K. Simmons, Charlotte Gainsbourg und Toby Jones komplett in ihren Rollen verschenkt. Einziges wirkliches Highlight ist Val Kilmer der in Rückblenden als ehemaliger Polizist Gert Rafto zu sehen ist: Seine Momente schlagen sämtliche von Fassbender. Im Grunde wäre Gert Rafto in diesem Film die bessere Hauptfigur als Harry Hole gewesen. So bleibt es leider nur bei wenigen Rückblenden.

Übrigens grenzt es schon fast an eine Parodie wie Tomas Alfredson den immer wieder auftauchenden Schneemann in Szene setzt und man darf sich das Ganze am Ende wenn man die Lösung serviert bekommen hat – die man schon aus zehn Kilometer gegen den Wind hätte riechen können – einfach nicht bildlich vorstellen und hinterfragen. Denn das Wie und das Warum ist eh komplett irrelevant. Von logisch mal ganz abgesehen.

Fazit: Die Harry-Hole-Reihe von Jo Nesbø umfasst bis jetzt 11 Bänder und es darf bezweifelt werden, ob Michael Fassbender so viele Auftritte als norwegischer Hauptkommissar bekommen wird. Schneemann bietet nichts außer Langeweile und sobald man sein Gehirn einschaltet und über alles nachdenkt fällt der Film zusammen wie ein Kartenhaus.