Bei den Fortsetzungen zu Kick-Ass und X-Men: Erste Entscheidung führte Matthew Vaughn nicht selber die Regie und in beiden Fällen brachte man es fertig den vorherigen Film noch zu toppen: Bei X-Men: Erste Entscheidung in feinen Nuancen und bei Kick-Ass sogar deutlich. Für Kingsman: The Golden Circle setzte sich Matthew Vaughn selber in den Regiestuhl und handelte vor allem nach der Devise „Größer, länger, mehr von allen“. Aber das bedeutet leider nicht unbedingt, dass am Ende auch ein guter Film dabei herauskommt: Kingsman: The Golden Circle braucht fast eine geschlagene Stunde um richtig in Fahrt zu kommen und selbst die Taxi-Sequenz direkt am Anfang kann Dank dem nicht wirklichen guten Einsatz von CGI nur bedingt überzeugen. Auch hinterlässt es einen ziemlich schlechten Nachgeschmack, dass man fast würdelos mit der von Sophie Cookson dargestellten Roxanne „Roxy“ Morton bzw. Lancelot umgeht, die im ersten Film ein kleines Highlight war und hier schnell aus dem Spiel genommen wird.

Aber tatsächlich fangen sich Matthew Vaughn und seine Autorin Jane Goldman wieder sobald es für die beiden Kingsman Eggsy (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong) in Richtung Kentucky zum US-Pendant der Kingsman geht: Den Statesmen. Channing Tatum als Tequila und Halle Berry als Ginger Ale erweisen sich als stimmiger Gewinn und auch das Wiedersehen mit Colin Firth funktioniert wunderbar. Leider begeht man auch hier recht schnell den Fehler den auch schon mit Sophie Cookson begannen hat und man nimmt Channing Tatum fast vollständig aus dem restlichen Film heraus und ersetzt ihn durch Pedro Pascal der als Whiskey zwar einen eigenen Charme hat, aber halt nicht den Humor von Tatum besitzt. Aber vielleicht wollte man auch nicht zu sehr von dem Duo aus Egerton und Firth ablenken, denn die beiden funktionieren wie schon im Vorgänger absolut prächtig mit viel Herz und Witz. Das gleiche gilt auch für die Szenen zwischen Firth und Strong, denen man die enge Bindung der Figuren immer ansieht.

Leider gibt es aber auch einen ganz großen Minuspunkt, den auch die meisten Marvel-Filme besitzen: Den Gegenspieler. Wo Samuel L. Jackson im Vorgänger fast ein bisschen zu dick mit seinem Spiel und den wahnsinnigen Gesten auftrug, funktioniert die von Julianne Moore fast schon gelangweilt verkörperte Poppy Adams als Gegnerin überhaupt nicht. Selbst ihre Vorliebe für die Bubblegum-Äre der 50er wirkt wie ein Fremdkörper und viel zu gewollt auf coole Nostalgie getrimmt. Einzig Elton John der sich als Entführungsopfer von Adams selbst verkörpert weiß in den Momenten in Poppy Land mit einer großen Portion Selbstironie zu gefallen. Vielleicht noch eine kleine Randnotiz: Bruce Greenwood spielt nach Thirteen Days und Das Vermächtnis des geheimen Buches wieder den US-Präsidenten.

Auch die Kämpfe – die im Vorgänger noch das Highlight waren – verpfuffen zu reinen Wiederholungen: Den Kampf in der Bar übernimmt jetzt Pedro Pascal für Colin Firth und das ganze ist zwar gut anzusehen, aber es fehlt dann doch die britische Würze eines Firth. Das gleiche gilt für die Wiederholung der Szene in der Kirche: Dieses Mal prügeln und schießen sich Egerton und Firth gemeinsam durch die Handlanger von Poppy Adams und es wirkt nicht mehr so rund, sondern wie ein lascher Kaugummi den man sich ein zweites Mal in den Mund gesteckt hat und merkt dass der Geschmack weg ist und nur noch Zähigkeit vorhanden ist. Da ist der Anfang mit dem Kampf im Taxi doch das Highlight gewesen; und selbst der kommt halt nicht an die des Vorgängers heran.

Wirklich am besten funktioniert der Film dann tatsächlich über die Gefühlsebene und den menschlichen Momenten: Wie schon gesagt wäre da einmal die Chemie zwischen Egerton und Firth bzw. Strong, aber auch die im Vorgänger mehr oder weniger für einen Witz eingeführte Rolle der Prinzessin Tilde hinterlässt dank dem Spiel von Hanna Alström einen sehr guten Eindruck. In den Szenen der Beziehung zwischen Eggsy und Hanna merkt man das Herz des Filmes das man gerne noch viel öfters schlagen gehört hätte; sei es ein gemeinsames Essen mit den Eltern von Tilde – dem König und der Königin von Schweden – oder wenn Eggsy nach einem Streit in einer US-Bar sitzt, mit gebrochenem Herz auf sein Handy starrt und eine seltsame Art des Martinis serviert bekommt. Von solchen Augenblicken hätte ich gerne mehr in dem Film gehabt.

Fazit: Größer, lauter, länger bedeutet nicht unbedingt auch besser. Zwar funktioniert Kingsman: The Golden Circle dank den menschlichen Momenten zwischen den Figuren und den Statesmen-Neuzugängen noch immer gut, krankt aber auch zu deutlich an der eigentlichen Geschichte und einer blassen Gegenspielerin.